Hosteria Nangalarruni Castelbuono
Letzte Instanz vor dem Fast Food!
Danach kommt mir nur noch Dante in den Sinn!
Vom Paradiso geht’s direkt zum Inferno, ein tiefer Fall in die kulinarische Hölle.
Nangalarruni, Oase des Genusses
Genau aus diesem Grund, kommt nach Castelbuono und kehrt ins Nangalarruni ein. Nur so entkommt ihr dem Fegefeuer der Kulinarik.
Castelbuono, mit seinen knapp 8000 Einwohnern ein kleines, beschauliches Dorf, welches am Fuße des Naturschutzparks Madonie vor dem Monte Ferro auf Sizilien gut eingebettet und behütet liegt.
Von Cefalù in die Berge
Kommt man mit dem Auto von Cefalù, durchfährt mit einem geschmeidigen Tempo alla dolce vita die weichen Kurven und grünen Hügel. Es sind Strecken der alten Targa Florio und werden von Motorradfahrern mit den ersten Sonnenstrahlen geliebt und gelebt.

Castelbuono im Tal liegend, vor den Bergketten
Dort sieht man es dann liegen, vor der Bergkette, malerisch und vielversprechend.
Madoniepark, Gipfel bis knapp auf 2000 Meter
Was direkt ins Auge springt, ist das stattliche Castello. Es thront mit Blick ins Tal und Richtung thyrennischem Meer.
Bereits die Griechen hauchten diesem Ort Leben ein, danach die Araber und nicht zu vergessen die prägende Zeit der Staufer.
Auf den Mauern der Griechen erbaut

Das Castello von Castelbuono. Top erhalten und Besichtigungen möglich!
Um das Jahr 1300 wurde es vom Principe aus Ventimiglia, Contea di Geraci regiert. Im Jahr 1316 wurde es dann mit und von Federico II, dem Stauferkaiser, erbaut, der es auch als Jagdschloss nutzte. Absolut nachvollziehbar, schaut man sich die üppigen Waldgebiete in der Nähe an.
Jagdschloss der Ventimiglia, Geraci und Staufer

Blick auf das Schloss von Castelbuono
Trotz seiner Lage, oder vielleicht vor allem wegen dieser besonderen Lage im Nationalpark, ist es Besuchermagnet für viele Reisende, die nach Sizilien kommen.
Castelbuono erfreut sich das ganze Jahr über einer starken Präsenz, die gerne durch die engen Gassen schlendert. Hier kauft man dann vom leckeren Dolce, über das besondere, weiße Manna (ähnlich wie Harz) Wein oder andere Mitbringsel.
Lust auf Panettone
Auch dem Nicht-Sizilienkenner dürfte Fiasconaro ein Begriff sein. Dieser steht für höchste Genüsse der sizilianischen Pasticceria-Kultur und hat seinen Siegeszug mit dem Panettone begonnen, auf dem das Familienunternehmen auch heute noch mehr als nur präsent ist.
Fiasconaro, Donnafugata und Dolce & Gabbana
Inzwischen ist ein Fiasconaro-Store in New York eröffnet, der sich großer Beliebtheit erfreut.

Fiasconaro, der Inbegriff für Dolce und Panettone. Auf der Piazza kann man seinen Espresso genießen
Nach diesem kurzen Schweif komme ich jetzt zum Kern, der Hosteria Nangalarruni. Es ist ein Restaurant, im Jahr 1984 von Giuseppe Carollo in Castelbuono gegründet.
Ob ich es Restaurant nennen soll?

Hier kehrt man gerne ein, Garanten für kulinarische Finesse
Tradition Osteria & Trattoria
Für mich ist es eher eine Oase des Genusses, der alten Geschmäcker und kulinarischen Traditionen. Ein Ort für Geschichten, Erzählungen und viele, sehr viele gute Gläser Wein.

Giuseppe, oder wie ihn alle nennen, Peppe, hat als junger Bursche nach seiner Schule und Ausbildung in der Alberghiera sofort seine Koffer gepackt und wollte gastronomische Eindrücke und Erfahrungen im Ausland machen.
Deutschland, die erste Auslandsstation
Dafür ging er zu seiner ersten Station nach Reutlingen, dem ebenfalls beschaulichen Ort in Baden-Württemberg. Er fing in einer Eisdiele an, Thekenarbeit mit etwas Unbekanntem, den Eisbällchen.
Die gibt es auf Sizilien nicht, hier wird mit der Kelle 😉 gearbeitet. So fingen schon viele vor ihm an, die in der Ferne das Glück suchten, hinter der Theke.
Er merkte nach kurzer Zeit, das kann es nicht sein, doch dazu musste er die Sprache lernen. Alle wissen wir sehr gut, es ist der Schlüssel zur Gesellschaft.
Eisdiele, das Sprungbrett in die Gastronomie
Wie sagt Peppe: Ohne mit dem Kunden kommunizieren zu können, wird das nichts.
Also fing er nach ein paar Monaten an, da ein Kollege krank wurde, nicht nur zu spülen, sondern die leckeren Eisbecher den Kunden an die Tische zu servieren.
Hier begann er, die Sprache besser zu lernen. In der Schule hatte er bereits 3 Sprachen, zu Italienisch noch Englisch, Französisch und Deutsch.

Immer präsent im Restaurant. Wo es brennt, ist er zur Stelle
Sprachen sind der Schlüssel
Alle in den Basisversionen, aber besser als nichts. Für Peppe immerhin das Sprungbrett, die Sprachen schnell zu vertiefen.
Lesen, hören und reden, nur so konnte es gehen. Am besten noch, wenn man in dem jeweiligen Land ist. Also lernte er mit den Jahren ein gutes Deutsch, manchmal auch mit schwäbischem Einschlag. Die schwäbischen Besucher machten gerne ihre Scherze.
Die sparsamen Schwaben und ihre Witze
Peppe, schaffe, schaffe, Häusle baue, und er lachte. Sagte auch, wenn es zu viel Dialekt wurde, mit seinem von italienischem Akzent versüßten Deutsch.
Bitte, Sie müssen Hochdeutsch mit mir reden, und alle lachten.

Die Piazza Margherita von Castelbuono. Rechts geht es dann zum Castello
Nach der Eisdiele kamen dann die Arbeit im Restaurant und in einer Pizzeria. Sogar in einer deutschen Bierbrauereikneipe heuerte er an. Dort gab es Braten, Schweinshaxe und dicke Steaks, aber an diesem Ort, einem Schmelztiegel der Gesellschaft, lernte er die deutsche Sprache par excellence.
Er lernte alles, vom Putzen der Toiletten, über das Spülen bis hin zum Anrichten und Servieren. Nur was man selbst macht, kann man erklären und von anderen verlangen.
Allrounder im Restaurant
Der Chef muss es vormachen können, sein Credo bis heute. Recht hat er: ein Vorbild sein und wissen, was und wie will ich es überhaupt haben.

Leckerste Dolce auf der Piazza bei Fiasconaro. Cannoli und Gebäck
Danach ging es kurz nach England. In einem angesehenen Restaurant, welches französische Cuisine auf den Teller brachte, verweilte er einige Zeit. Die Küchenbrigade war französisch und es wurde auf Sterneniveau gekocht.
Französische Haute Cuisine in London
Auch hier war sein Ansatz. Gastronomie und Sprache in Symbiose verbessern.
Es ging wieder zurück in sein Heimatland, jedoch blieb er im Norden. Die Adriaküste wurde es, um genauer zu sein, Pinarella di Cernia in der Nähe von Rimini. Echte italienische Erfahrungen machen, in der gehobenen Hotelgastronomie und wieder mit vielen Touristen.
Zurück zu den Wurzeln
Dann, so um 1982/83, kam er zurück nach Castelbuono, eine kurze Zeit des Reflektierens.
Zu seiner Mutter sagte er: „Ich will wieder nach England zum Arbeiten“, doch es war die Zeit, als England mit Argentinien in den Falkland Konflikt einzog.
Falkland Konflikt
Das gefiel der Mutter überhaupt nicht, sie wollte sich keine Gedanken machen und sich keine Sorgen machen. Peppe versuchte zu erklären, dass der Krieg vor der Küste Argentiniens stattfindet, weit weg von London.
Doch das war ihr egal. Sie machte den Vorschlag, ein freies Lokal hier in Castelbuono zu kaufen, eine alte Trattoria – Pizzeria. Er sollte sich hier niederlassen und Wurzeln schlagen. Genau so kam es! Das ist der Gründungsort des Nangalarruni, und der heutigen Dependance des UVA-Clubs, welcher auch vom „Presidente“ Peppe Carollo gegründet wurde.
UVA Club für freiwillige Alkoholisierte
UVA bedeutet „Club der freiwillig Alkoholisierten“, auf den ich später noch detaillierter eingehen werde.

Blick auf die alte Wirkungsstätte und den U.V.A. Club
Wo kommt der Name Nangalarruni her? Es ist ein typisches sizilianisches Musikinstrument, die Maultrommel. Dieses Instrument zog Peppe schon als Kind in den Bann.
So einfach war der Name gefunden und spiegelte sizilianisches Brauchtum wider.
Die Maultrommel
In dem alten Nangalarruni gab es zu Beginn noch einen alten Pizza-Holzofen, wie wir ihn auch heute noch regelmäßig vorfinden. In den meisten Osterie oder Trattorien, vor allem in den kleinen Bergdörfern, ist es auch heute noch üblich.

Das Instrument, die Maultrommel
Cucina Italiana und abends leckere Pizza aus alten Getreidesorten Siziliens. Eines Tages versetzte ihn der Pizzabäcker, er kam nicht zum Arbeiten.
Peppe hatte ein volles Haus und war sichtlich in Bedenken. Was sollte er machen?
Pizzeria arrividerci
Schürze umbinden und ab an den Ofen. Pizza und Holzofen sind aber andere Welten als in Deutschland in der runden Form und dem Elektroofen die Pizza zu backen.
Der Schutzpatron der Pizza, Sant’Antonio Abate, meinte es gut mit Giuseppe.
An dem Abend kam ein Freund mit seiner Begleiterin, einem Pizzaiolo. Peppe ging hin und sagte: Vergiss deinen Abend, du musst mir helfen. Der Pizzabäcker kommt nicht und ich bin ziemlich in der Bredouille.
So kam es, dass er auch noch das Handwerk des Pizzaiolo und Panettieri (Bäcker) lernte. Ganz nach dem Grundsatz: Man muss alles können in seinem Beruf.
Typische sizilianische Gerichte
Er spürte jedoch, dass die Leute diese traditionelle, sizilianische Osteria-Küche wollten. Darum entschied er sich, ohne auch nur zweimal zu überlegen, und riss den Pizzaofen raus. Dass er auch ja nicht nochmals auf dumme Gedanken kam.

Rühreier mit Waldpilzen und mediterranen Gewürzen
Alte Gerichte der Nonna, der Mamma, mit besten, frischen Zutaten Kilometer Zero zubereitet, und den Gästen so einen Ausflug des Gaumens ermöglichen.
Kulinarische Träume
Wie ein ehemaliger Angestellter, Cameriere von Peppe, zu den Gästen sagte: Sie bekommen hier kein einfaches Essen serviert, sondern, sie bekommen von uns kulinarische Träume kredenzt.
Der UVA-Club ist aus einer Laune entstanden. Ein Club, genannt „Unione Volontari Alcolizzati“ – für Mitglieder. Vereinigung für freiwillige Alkoholisierte:
Alle werden mit einer Mitgliedskarte aufgenommen und erfasst. Man muss aber das Aufnahmeritual bestehen!

Ein Wein für den Presidente Giuseppe Carollo vom Weingut Abbazia Santa Anastasia selektiert
Die Welt ist Mitglied
Hört gut zu. Es sind aktuell knapp 2400 Mitglieder, die meisten aus der Gegend von Castelbuono, aber auch Amerikaner, Engländer, Belgier, Holländer und Deutsche. Das Aufnahmeritual ist recht simpel gehalten, denn nicht jeder besteht die Aufnahmeprüfung, wird also in den elitären Club aufgenommen.

Raritäten im oberen Stock. Warten auf das Entkorken
Aufnahmeritual für Trinkfeste
Hierfür muss die Kommission, der Prüfer sich persönlich davon überzeugen, wie viel der um Aufnahme begehrende Neue trinken kann. Die Menge, Literzahl, wird auf der Clubkarte vermerkt, wie auch alle anderen Daten des Trinkfesten.
An genau diesem Ort war ich das erste Mal 2002, bei einem Abendessen mit feinsten Weinen vom Weingut Baglio Hopps (gibt es heute nicht mehr) und Abbazia Santa Anastasia von Castelbuono.
Osteria d’Italia 2002 Slowfood
Es ist mir noch immer in bester Erinnerung. Damals wählte ich den Ort aus, da er in der Osteria d’Italia 2002 (Slow Food) bereits bestens empfohlen wurde. Ich kaufte es mir vor der ersten Tour auf Sizilien. Das „neue“ Nangalarruni entstand praktisch genau gegenüber in der Stichstraße, an deren Ende ein kleiner Hof ist. In Italien Cortile genannt und immer ein Ort des Zusammentreffens. Hier trifft man sich, hier redet man, hier lacht und lebt man.
Dem Cortile Leben eingehaucht
Der Cortile wird im Sommer und bei gutem Wetter für die Gäste fein herausgeputzt und man kann draußen in paradiesischer Ruhe und authentischem Ambiente die leckersten Sachen genießen.
Es ist ein altes Gebäude, welches mit viel Liebe, Detail und hoher privater Investition aufwendig restauriert wurde.

Typisch Stein
Ganz im alten Stil von sizilianischen Steinhäusern. Außen und im Innenraum, Tradition perfekt in Szene gesetzt. Die Beleuchtung und die vielen Holzelemente vermitteln perfekt eine angenehme Wärme, in der man sich als Gast sofort zu Hause und angekommen fühlt.

Feinstes Terracotta und Stein
Ambiente mit Stil
Kommt man durch die Holzeingangstür herein, befindet man sich direkt vor einem antiken Holzschreibtisch mit Reservierungsbuch.
Der Gastraum verteilt sich im EG auf einige kleinere und größere Räume. Alle versprühen dieses typische besondere Flair der italienischen Trattoria, wie wir sie aus den Filmen der Loren oder Lollobrigida kennen. 60er-Jahre-Style, aber hier ist es keine Show, sondern es ist die überzeugte, gelebte Einstellung vom Patron.

Giuseppe vor dem großen Weinregal im Obergeschoß
Fotos und Auszeichnungen der Restaurantkritiker
Geht man über die Steintreppe in den oberen Stock, vorbei an vielen Auszeichnungen von Slow Food mit Chioccola, l’espresso oder Gambero Rosso, kommt man in einen großen Raum, der eigentlich Weinkeller ist.

Restaurantführer und Erinnerungen schöner Momente
Bis zur Decke wurden Holzregale auf Maß eingebaut. Dort stehen aktuell mehr als 800 Etiketten, natürlich in erster Linie Sizilien. Da Peppe aber ein absoluter Wein-Connaisseur ist, darf die Toskana, Sardinien, Friaul, Veneto, und auch Frankreich, Deutschland nicht fehlen.

Weinregal mit allem, von was der Weinliebhaber träumt
Piemont, Nebbiolo soll in Strömen fliesen
Seine Lieblingsregion ist das Piemont, denn wie er mit einem süffisanten Lächeln bekennt, ist er ein Nebbiolo Abhängiger und liebt Barbaresco und Barolo.
Nicht die schlechteste Wahl, wie ich finde. Er erwähnt so nebenbei, dass er schon in Kürze wieder einen Kurztrip ins Piemont macht, Weingüter besucht und kulinarisch die ein oder andere Idee aufschnappen. Da kann immer etwas neues für die eigene Küche dabei sein.
Das Credo war und ist einfach diese Neugier auf die Welt und die vielen Genüsse überall. Ohne das geht es nicht. Kultur ist der Schlüssel, der auch bei Tisch genau zu dem führt, was es so lebenswert macht. Die guten Dialoge mit einem guten Glas Wein in der Hand und guter Gesellschaft.

Francesca in ihrem Element
Neue Ärea mit Francesca
Dinge, die hier im Hause omnipräsent sind.
Nach 40 Jahren hat Peppe die Cucina an die Tochter Francesca übergeben. Mit ihren 31 Jahren in große Fußstapfen getreten. Schon in der Schulzeit hat Francesca an den Wochenenden zuerst als Kellnerin und dann in der Küche ein paar Euro’s hinzuverdient.
Neue Generation, neue Ideen
Aber die junge Köchin und Patronin durfte in vorderster Reihe vom Besten lernen, schmecken und interpretieren. In vielen Belangen eine Autodidaktin, bei feinsten Lebensmitteln wie auch beim Wein. Es muss schmecken, das Credo! Genau das, worauf es ankommt.

Meeting in der Küche. Testa di Turco wird produziert
Von der Schulbank in die Küche
Die Nangalarruniküche kreiert Kilometer Zero, praktisch seit Gründung. Und das mit voller Überzeugung.
Peppe, ein Pilzliebhaber, findet natürlich im Madoniepark ein perfektes Habitat vor. Und dort in den Wäldern ist er oft unterwegs.
Pfifferlinge, Steinpilze, … andere Pilze bis zum schwarzen Trüffel – alles ist verfügbar.
Leidenschaft Pilzesammeln

PIlze spielen eine sehr große Rolle im Nangalarruni
Die Eier, das Mehl für Brot und die Pasta. Übrigens: Pasta wird nur frisch produziert, alle Formate. Dafür liefert ein Freund aus Caltavulturo, der Getreide anbaut und auch eine kleine Mühle betreibt. Sorten wie Russello, Perciasacca und Tumminia, sizilianische Getreidekultur, die den deutlichen Unterschied macht.

Pasta immer täglich frisch zubereitet – diverse Formen
Hausgemachte Caponata mit frischem Gemüse von Bauern aus unmittelbarer Nachbarschaft
Caponata, Trüffelbruschetta, Pasta und Geschmortes
Gefüllte sonnengetrocknete Tomaten auf sizilianische Art. Kleine Bällchen mit getrocknetem, gewürztem Brot und Eiern – Pâté von Hühnerleber, ganz nach dem toskanischen Vorbild, auf warmem, selbstgebackenem Brot. Sehr intensiv im Geschmack.

Bruschetta mit Wachtelei, darüber frischer schwarzer Trüffel von Castelbuono Madoniepark
Pate Baccalà, wunderbar cremig, auf dem gerösteten Brot. Interessante Version vom Kabeljau, so noch nie probiert.
Pate schwarzer Trüffel, könnte man sagen. Augen zu und ich bin in der Toskana oder Umbrien, aber ich sitze mitten im Madoniepark auf der größten Mittelmeerinsel.

Schwarze Trüffel aus den Wäldern um Castelbuono. Ein Patè für die leckere Bruschetta
Das Beste ist, es sind Trüffel aus den heimischen Wäldern hier, die es zum Glück noch in großer Fläche gibt.
Käse darf nicht fehlen, vorher, nachher zwischendurch
Pecorino Canestrato ist ein sehr intensiver, eher gereifter Vertreter des Pecorino. Er wird für mehr als 12 Monate affiniert und bekommt sehr kräftige Noten. Zum guten Wein ein echter Gamechanger. Wird oft auch in geriebener Version über die Pasta gegeben.

Frei im Wald, mindestens 24 Monate ein Paradies auf Erden
Die schwarzen Schweine vom Nebrodi Park sind eine Rasse, die von einigen wie das Iberico Schwein ganzjährig draußen gehalten werden. Diese Sachen kommen alle vom legendären Metzgerbetrieb Agostino aus Mirto. Dieser gehört zum Presidio Slow Food, und seine schwarzen Vierbeiner dürfen sich auf 100 Hektar Waldfläche austoben. Sie kommen je nach Jahreszeit einmal am Tag zum Fütterpunkt, wo nur Bestes und Feinstes integriert wird.
Maiale Nero vom Nebrodipark

Hier hängen die leckeren Schinken vom schwarzen Schwein
Die Besonderheit: Der Metzgerbetrieb produziert auch das Futtermittel auf eigenen Agrarflächen. Geht es noch nachhaltiger?
Die Rühreier für den Sportler mit Pilzen und Gemüse, cremig, richtig schlotzig, vor allem super lecker. Hier braucht man nur ein gutes Stück Brot, mit Vorliebe ein sizilianisches Rimacinato, gebacken aus alten Getreidesorten.

Eine Zuppa um die Toten aufzuwecken. Ein intenisver Geschmack, der mit einem guten Schuss Olivenöl abgerundet wird.
Die wärmende Suppe mit Linsen, Kichererbsen, weißen Bohnen und saisonalem Gemüse. Hat das Potenzial, einen Toten aufzuwecken!
Olivenöl, frisch, grün, grasig
Olivenöl von Castelbuono mit frischem Brot. Einheimische Sorten von Castelbuono sind Nerva und Crasto. Besondere Sorten, gerade nach der frischen Ernte sehr grün und intensiv, pfeffriger Nachgeschmack, kratzt spürbar im Hals. Beste Indikatoren für hohe Qualität. Giuseppe hat ein paar eigene Olivenbäume und frisch gepresstes Öl kommt auch auf den Tisch in der Hosteria Nangalarruni.
Maiorchino, ein Käse, den schon der alte Plinius liebte. Aus 60 % Schafsmilch und 40 % Ziegenmilch – ursprünglich von Novara di Sicilia einem kleinen Dorf in der Provinz Messina.
Beste Grundzutaten
Peppe ist überzeugter Minimalist, vor allem bei besten, frischsten Produkten. Er meint, wenn ein Fisch frisch gefangen wird und praktisch noch lebend ins Restaurant kommt, gibt es zwei Möglichkeiten. Es wird sensationell, der Genuss entfaltet sich perfekt. Oder der Koch zerstört das Produkt mit vielen Gewürzen und Aromen.

Frisches Rindertartar mit hausgemachter Mayonese und karamelisierten Tropeazwiebeln
Es bedarf nicht mal der überall gängigen Zitrone. Nicht mal das!
Frisch geht nur noch Frischer
Es ist immer wieder wunderschön, bei solchen tollen Menschen die Geschichten von Mutter und Oma zu hören. Wenn das Brot einmal die Woche gebacken wurde. Wenn es dann am Ende zu trocken wurde, machte man pane cotto. Ich denke, wie überall, in der Zeit, in der nichts weggeworfen wurde. Ganz anders als heute. Eingeweicht und mit vielen Zutaten im Ofen oder der Pfanne gebacken. Geschmäcker aus anderen Zeiten.

Pilze Rotkrautsalat mit feinstem Olivenöl
Aktivitäten
Durch die sehr intakte Dorfgemeinschaft und eine sehr gute politische Administration verfügt Castelbuono über viele sehr interessante Veranstaltungen. Das ganze Jahr auch dank Fiasconaro und dem Weingut Abazzia S. Anastasia mit Jazz- und Bluesfestival, Sagra Funghi, Salsiccia und Wein, Kinderfesten, Marathon und vielem mehr. Immer etwas los!
Ypsigrock mit Glenn Gould Association
Das sicher bekannteste Festival gibt es seit 28 Jahren immer im August auf der Piazza vor dem Castello. Ypsigrock ist ein Indipendent Festival unter der Leitung der Glenn-Gould-Association, wo überwiegend Bands auftreten, die meist nur zweimal pro Jahr auf einer solchen Bühne stehen. Aus diesem Grund inzwischen kein Geheimtipp mehr, sondern ein Garant für internationales Publikum. Die kommen nach Castelbuono, aus Amerika, Kanada und Australien. Tickets sind innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Dazu kommen ein Jazz- und ein Bluesfestival auf der Piazza.
Castelbuono hat sehr viel zu bieten.
Piazza für den nächsten Espresso
Der Dorfkern mit der Piazza Margherita und dem kleinen Brunnen in der Mitte des Platzes wird von der Kirche, einem Museum und vielen gastronomischen Anbietern umsäumt.
Es geht immer um Idee, Vision, Warum, Essenz des Lebens. Auch ein Konservieren der eigenen Erlebnisse und Eindrücke. Wenn es so wie bei Peppe über die Küche machbar ist, umso besser und schmackhafter.
Ich hoffe, dass ich noch oft nach Castelbuono komme und die vielen leckeren Genüsse im Cortile Ventimiglia bei Peppe genießen kann.
Quintessenz
Die Quintessenz lautet, dass ein Besuch in dem beschaulichen Madoniebergdorf Castelbuono sein muss. Wer echte, traditionelle sizilianische Küche, ein atemberaubendes Flair und Ambiente erleben will.
Hier ist es ein kulinarisches Pflichtprogramm, bei Giuseppe und Francesca im Nangalarruni hereinzuschauen. Ruhetag ist der Mittwoch. Mittags und abends geöffnet.

Kulinarisches Treffen mit Sagrantino und sizilianischer Küche
Es gibt Momente im Leben, die kann man mit Geld nicht bezahlen! Es entsteht über Sympathie, Empathie und die Fähigkeit, genau diese Stunden zu genießen.
Bis zum nächsten Treffen, in der Hosteria Nangalarruni. Danke, Peppe!
Ihr Peter Junker









































