Trattoria la Carrubba
Zufall oder kulinarische Führung?
Slow Food | Trattoria la Carrubba

La Carrubba seit 1980
Wenn ein Zufall dir den kulinarischen Weg zeigt, muss man folgen, nicht fragen!
Von Linguaglossa, dem nördlichen Etna, kamen wir aus unserem Sommerurlaub zurück. Wunderbares, familiäres, rurales Agriturismo im alten Stil, mit und auf dunklem Lava erbaut. Tollem Pool und direktem Blick hoch zum Krater des Mongibello. Frühstücken mit diesem Blick ist bei genialem Wetter der perfekte Start in den ganzen Tag.
Statt über die öde, lange und nervende Autobahn A19 nach Palermo zu fahren, nahm ich den Weg über Randazzo hoch ins Nebrodigebirge über Floresta und dann runter an die Nordküste bei Capo d’Orlando.
Vom nördlichen Etna rüber an die Nordküste
Diese Überfahrt ist für alle Naturfreunde ein echter Hochgenuss. Meine Empfehlung: Langsam fahren, oft anhalten und einen guten Espresso mit hausgemachtem Dolce in einer kleinen Bar genießen. Dem Dorfleben vom Tresen folgen.
Langsam fahren wir hoch, es geht auf 1200 Meter über dem Meeresspiegel. Die umliegenden Gipfel: meist Weideflächen für die Rinder und Schweine.
Man schaut aus dem Autofenster und sieht die dichten, grünen Wälder links und rechts vorbeiziehen, doch langsam wird es karg.
Viel Wald und Natur
Der Rückspiegel wird komplett vom monumentalen, immer brodelnden und rauchspuckenden Ätna ausgefüllt. In den späten Herbstmonaten wird man mit einer weißen Zuckerkrone beschert. Da ist er bereits mit einer deutlichen Schneekuppe bis zum Kegel bepudert.

Nebrodi mit Blick auf den Ätna
Es ist eine kleine Zeitreise, in eine ganz andere Zeit des Jahrhunderts. Noch immer harren die Menschen dort aus. Ihre Tradition und Verbundenheit hält stand, wenn auch immer weniger, wie eindeutig an den vielen verlassenen Häusern mit Verkaufsabsicht zu erkennen ist.
Quer durch Italien Zeitreise
Es erinnert mich an meine vielen Fahrten quer durch Italien, besonders in die Abruzzen und nach Basilikata. Eine harte, entbehrungsreiche Gegend, nicht gemacht für Verwöhnte nachfolgender, heutiger Generationen.
Ein Leben mit den Jahreszeiten, mit den Tieren und der Natur. Ein Leben hier oben kann sehr erfüllend sein, das bedeutet jedoch: Man muss die Natur heiraten, dann den passenden Partner finden.
Wer Zeit und Lust hat, kann an den zwei, drei sehr guten Agriturismo-Ristoranti hier oben einkehren. Ganz sicher ist, dass niemand enttäuscht wird.
Floresta auf 1200 Meter im Nebrodipark
Wir fahren dann über die Kuppe bei Floresta und langsam Richtung Nordküste. Von dort erkennt man die vorgelagerten äolischen Inseln. Schon dieser Ausblick ist es wert, sich einmal ins Auto zu setzen und diese Tour zu fahren. Kleine Anmerkung: Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang wählen, wenn möglich.
Es war spät, kurz vor 15 Uhr. Da sehe ich ein Schild, ausgebleicht, eher auf halb acht hängend, statt dem Suchenden den richtigen Weg aufzuzeigen. Trattoria la Carrubba.
Contrada San Leo
Im Kreisel nehme ich diese Ausfahrt und fahre eine kleine, zweispurige Straße den Berg hinauf. Nach 2 Kilometern komme ich in einem winzigen Borgo in der Contrada San Leo an, ein kleiner Parkplatz und davor ein Schild: Trattoria La Carrubba. Man musste schon eher dreimal hinschauen, um zu erkennen, dass dort eine Trattoria ist. Es sah eher wie ein leicht von der Zeit mitgenommener gemauerter Steinseitenbau aus, auf der anderen Seite die Restauranträume mit Küche.

Blick vom Borgo auf die Küste Richtung Cefalu
Schild hängt auf ½ Acht
Kompliment an die neue Generation unter Calogero, dem Patron, und der ganzen Familie, die dort jeden Tag seit nunmehr über 45 Jahren alles für den Gast geben.
Es war Hochsommer, die Terrasse war auch um diese Zeit super besucht, und wir fragten höflich, ob man noch was bekommen kann. Ein junger Kellner, Alen, super freundlich, meinte: „Ja klar.“
Und so begann ein noch immer andauernder Punkt unserer kulinarischen Geselligkeit in Sant’Agata di Militello.
Sant’Agata di Militello, Blick auf die Äolischen Inseln
Die Karte war bestückt mit einigen Antipasti, Primi, Secondo und Dessert. Wein suchte man sich aus dem Regal aus oder es gab Empfehlungen vom Haus. Natürlich auch Vino della Casa.

Blick auf die Äolische Inselgruppe. Ein Anblick, der immer wieder verzaubert.
Wir bestellten die legendäre Pasta mit einem Sugo vom Maialino Nero di Nebrodi. Von keinem geringeren Betrieb als Agostino, von Mirto. Renommierter Slow-Food-Betrieb Siziliens.
Slow Food – Lammkotletts und Salsiccia
Lammkotletts, gegrilltes Hähnchen, Salsiccia, ebenfalls von Agostino, und vieles mehr.
Was soll ich sagen, an den Tag kann ich mich sehr gut erinnern, denn die Pasta, die hausgemachten Maccheroni mit dem Sugo sind etwas so Außergewöhnliches, 5–6 Stunden köchelt das Sugo.
Geschmack ist eine Sache, das ist echte Medizin, um einen Glückshormon-Flash mit Dopamin auszulösen.
Für weitere Besuche, das war mir klar, ließ ich mir die direkte Nummer geben, vom Lokal und von Alen. Immer besser, einen direkten Ansprechpartner zu haben. Das war vor 10 Jahren. Noch heute bin ich in Kontakt mit ihm, obwohl er nicht mehr im Lokal ist.
Trattoria Stil der 80er Jahre
Die Trattoria, damals noch in einer sehr einfachen, den 70er Jahren gleichenden Ausstattung, wurde inzwischen in den exakt gleichen Räumen auf ein Top-Niveau der Gastronomie gehoben. Tische, Bestuhlung, Weinregale in die Steinwand eingelassen, Flaschen, die wie Skulpturen mit dezentem Licht in Szene gesetzt werden. An einer Wand die nationalen Winzerlegenden wie Antinori, Tenuta San Guido, Gaja, Franchetti, Amarone, Trentino, Südtirol – einfach alles, was das Weinliebhaberherz erfreut.
Die Trattoria ist inzwischen Teil von Slow Food und verwendet rigoros die zertifizierten Produkte Slow Foods. Nahezu alles kommt aus der umliegenden Gegend, praktisch Kilometer 0.
Hauswein und glasweise gibt es Sizilien. Sehr gute kleine Familienweingüter kommen hier ins Glas und können so zeigen, auf welchem Niveau sie mitspielen.
Vom leckeren Hauswein bis zum Top-Etikett Italiens
Antipasti und die vielen kleinen Antipastiteller sind ein Entree, perfekt, um auf das vorzubereiten, was sich anbahnt. Lust auf Crostini mit Zucchini, Basilikum und Mandeln oder Crespelle mit saisonalem Gemüse, gefolgt von einer Art in Tempurateig ausgebackenem frischen Gemüse, Arancinetti, panelle, Caponata, kleinen süßsauren Fleischbällchen, Käsevariation, Salami, Schinken, Soufflé mit Brokkoli oder Blumenkohl, Kürbis? Läuft das Wasser schon im Mund zusammen?
Einfach ein kulinarischer Trip in die sizilianische Tradition della Nonna.

Querschnitt der vielen Antipasti
Hunger, ich hab Hunger
Es geht los, die Pasta, ein Ausflug in die Küche der 70er, 80er Jahre. Die Nonna am Herd, Sugo wird stundenlang unter Rühren eingekocht. Es brodelt im Topf, es blubbern permanent Bläschen und der Sugo wird zäh und zäher.

Sugo Maiale Nero di Nebrodi, das ist eine Pasta wie Medizin
Serviert mit geriebenem Ricotta der Version Infornata. Haselnussbraun, fein gerieben und sehr nussig im Geschmack, dank der Zeit, in der er im Ofen kurz gebacken wird. Eine Version, die man so in Palermo suchen kann. Eher nicht präsent in den Restaurants.
Kleine Karte, großer Genuss
Beim Secondo sind gegrillte Lammkotletts und eine Grillplatte mit den vielen Variationen von Agostinos schwarzem Nebrodischwein gesetzt.
Dazu vielleicht noch eine Tagliata mit Rucola und geriebenem Käse, Ofenkartoffeln.

Kleine Karte mit feinsten Leckereien
Und all diese gegrillten Leckereien kommen noch immer, wie beim ersten Besuch, aus dem Nebengebäude. Dort steht der Grill, die offene Flamme, die einfach einen ganz besonderen Geschmack generiert. Wenn dann noch mit Oliven und Zitronenholz gefeuert wird, siamo qua.
Hier muss man essen gehen!
Es ist kein Restaurant, wo man mal so vorbeikommt. Man muss es explizit besuchen, darum meine ehrliche innere Aufforderung für genau solche Locations. Fahrt hin, probiert diese Küche, den Blick von der Terrasse auf das tyrrhenische Meer und die eolischen Inseln.

Blick auf Brolo und das Castello im Ort
Im Sommer mit einem Glas Weißwein vom Ätna, von Calcagno, Giuseppe Russo oder eben das von Italien, was euch am meisten schmeckt.
Unterwegs mit Peter, typische sizilianische Trattorien
Authentisches Sizilien sind genau diese Plätze, die unwiderrufliche Erinnerungen gestalten.























