Favignana | Levanzo | Marettimo
Lange vor der Odyssee schon einen Höhepunkt Siziliens
Wir sind auf der westlichen Seite dieser wunderschönen Insel Sizilien. Der Blick wandert über die wunderschönen Salinen vor Trapani in Richtung Favignana, Levanzo und dahinter erkennt man die Silhouette von Marettimo.
Lange vor dem Hollywood Film ein Traum
Favignana ist die größte dieser Inselgruppe. Inzwischen wurde die Insel zum Hotspot der Touristen dank der Verfilmung von Jack Nolans „Odysee“. Na ja, ich war hier vor vielen Jahren, da dachte niemand an die Odyssee. Es war ein Besuch, ein halber Tag. Die Insel ist eher touristisch, das Zentrum ist mit den typischen Geschäften, Souvenirs und vielen Restaurants. Für jeden Geschmack und jede Geldbörse ist etwas dabei.
Die Aliscafo Schnellfähren fahren von Trapani fast stündlich auf diese Inseln und die meisten Reisegäste steigen auch direkt in Favignana aus. Auch ich kam dort an, mein Weg ging zu Fuß, quer durch den Hafen in den angegliederten Ortskern. Zu Fuß versuche ich immer, alle Ortskerne zu entdecken, auch wegen des fotografischen Anspruchs.
Auf Favignana, auch auf Levanzo am Corso, sind alte barocke Villen. Ein echter Traum für alle, die sich für Architektur und mediterrane Bauweise begeistern können. Vor allem, wenn diese noch so gut erhalten sind und ursprünglich mit dem Garten und dem kompletten Ambiente verschmelzen.
Thunfischfang war das Hauptgeschäft
Was soll man sagen: eine Insel, die immer touristischer wird und über einen wunderschönen Strandabschnitt verfügt. Dieser ist bei Instagram und TikTok millionenfach zu sehen.
Was soll ich sagen, nicht mein Ding. Zu voll, zu überlaufen, zu touristisch. Je älter ich werde, desto mehr erkenne ich: Dieser überlaufene, überladene Massentourismus ist nicht meine Art der Entspannung. Ich benötige ehrliche, authentische Orte und vor allem Menschen, die dort leben, die mir das echte Leben zeigen und nicht für 3,50 € etwas auf den Backen malen wollen. In der Osteria zusammensitzen, auf der Parkbank ein paar Worte, beim Caffe oder Aperol den Small Talk.
Ich erkenne nach knapp 25 Jahren Italien perfekt, wer wo , was anbietet und ehrlich ist.

Favignana ist ein Epizentrum des Thunfischfangs. Hier ist die Tonnara Florio zu besichtigen, mit einer Ausstellung von Fotos, wie die Mattanza früher durchgeführt wurde. Diese martialischen Bilder, der Netze, der sterbenden Fische, die Fischer mit Lanzen und Haken, die jeden Mai und Juni dieses Schauspiel veranstalteten. Die große Industrieanlage zeugt von einer anderen Zeit, einer wirtschaftlich sehr wohlwollenden Zeit für diese Inseln.
Ein enormer Ortskern mit vielen Restaurants und Geschäften wartet auf die Besucher. Favignana ist die Hauptinsel des Archipels und der bekannte Strand ist das, was die Touristen sehen wollen.
Wer Lust hat, kann auch zur Ruine auf den Berg gehen, ein im Hochsommer beschwerlicher Weg, der nicht zu unterschätzen ist. Der Ausblick von hier oben ist jedoch eine echte Entschädigung für die Strapazen.
Levanzo, mein persönlicher Favorit
Levanzo
Das ist meine Insel, klein, kleiner, Levanzo. Hochsommer, jeden Tag schon mit der ersten Fähre die Hütte voll.
Im Winter 50 Einwohner, ein Hafen, oberhalb vielleicht knapp 80 Häuser, das war es. Dort ist die Post, der Bäcker, der Geldautomat, die Bar, das Hotel und links und rechts geht es rund um die Insel. Zum Friedhof oder zu den Faraglioni, den felsigen Wahrzeichen jeder Insel. Was soll ich sagen? Verliebt habe ich mich in diese Insel, wie auch in Filicudi, Alicudi oder Salina. Es sind diese kleinen, charismatischen Inseln vor Sizilien, die es mir angetan haben. Diese Stimmung, diese Aura und Stille nimmt man sofort wahr, man muss sich nur darauf einlassen.

Bei dem ersten Besuch ging ich nach dem Anlegen erst einmal in die kleine Bar, nach links auf dem Corso. Die leckeren, selbst gemachten Croissants werden von den typischen Genovese ergänzt. Das ist halbrundes Gebäck aus Mürbeteig, ähnlich einer Teigtasche Empanada, gefüllt mit frischem süßen Ricotta und Schokostückchen, die dann zart im Mund verschmelzen. Natürlich kann man auch, wie auf ganz Sizilien angeboten, sein Frühstück mit einer Calzone oder Pizzaschnitte beginnen. Zum Cappuccino oder Espresso finde ich doch eher die süße Variante passender.
Genuss ohne Ende
Auf der kleinen Terrasse, die praktisch oberhalb vom Hafen liegt, hat man den perfekten Blick auf Favignana und auf die Küste vor Trapani und Marsala. Hier sage ich ganz klar: den Moment genießen, bestellen und dort genießen. Diese Ruhe inhalieren und den Booten und Fähren beim Anlegen und Abfahren zuschauen.

Danach bietet sich ein Spaziergang an. Geht man nach links weiter, kommt man nach 15–20 Min. zu den Faraglioni und einem kleinen Steinstrand. Das Wasser ist kristallklar und sehr kalt, die Strömung ist nicht zu unterschätzen. Vor dem Mittagessen hier 2–3 Stunden ausruhen und ins Kühle nass ist nicht zu verachten.
Der Ortskern ist so klein, dass man die Geschäfte, Post, Bank, Bäcker und den kleinen Mini-Supermarkt in 30 Minuten ausgiebig entdecken kann.
Geht man vom Hafen in die rechte Richtung, kommt man an dem Hotel und Restaurant Paradiso vorbei. Das ist einer meiner echten Geheimtipps und Lieblingsrestaurants. Auch hier wieder: Der Blick von der Terrasse ist so sensationell, dass man die Zeit vergisst und ich am liebsten von dort nicht mehr aufstehen möchte. Hier werden aus einem Glas Wein schnell zwei oder auch drei, immerhin muss man die Fähre ja nicht selbst steuern.
Schaut euch das Wasser gut an
Geht man weiter, kommt der Friedhof der Gemeinde und nach 10 Min. die Cala, der Strand, an den wir normalerweise gehen. Sind wir auf Levanzo.

Eine kleine Bucht, die ebenfalls mit einem Steinstrand sauberstes und kristallklares Wasser präsentiert. Manchmal, je nach Jahreszeit, liegen dort einige Segelboote, keine Jachten. Hier empfehle ich, maximal so gegen 10 Uhr anzukommen. Der Platz ist gering, die Möglichkeiten für Handtücher sind begrenzt. Ruhig ist der Strand, keine Musik, keine touristische Beschallung wie z. B. in San Vito lo Capo oder Mondello. Gute Monate sind Juni, Juli und September Oktober.
Mittagstisch in der Osteria Paradiso. Hier bekommt man echte, authentische sizilianische Küche. Ob die Busiate Trapanese, eine Caponata Melanzane oder Caponata mit Schwertfisch, frische Tintenfischringe, keine TK‑Ware, Tagesfang oder Pasta mit Thunfisch, Kapern und Minze. Lieben Sie Essen? Dann sind sie hier genau richtig. Tagesempfehlungen unbedingt in Erwägung ziehen. Hier kocht man nur mit den frischesten Zutaten.
Marettimo

Es ist die von Trapani am weitesten entfernte Insel. Sie ist sehr grün und sicher die ursprünglichste, schaut man sich die Macchia und den Baumbestand an. Die Überfahrt dauert etwas mehr als eine Stunde und legt man am Hafen an, ist man nach fünf Schritten direkt im Ortskern. Dieser ist größer als in Levanzo, aber auch überschaubar und schnell zu erkunden. Marettimo hat wesentlich mehr Gastronomie und Bars im Angebot.
Caffe Tramontana
Das Caffe Tramontana, oberhalb des Hafens gelegen, ist ein echter Punkt für maximale Ruhe. Hier, ob zum Frühstück, Mittagessen oder abends, mit einem Panini oder Glas Wein kann man hier der Zeit den Takt aus den Segeln nehmen.

Im Hafen liegen unzählige Fischerboote, die alle für das Tauchen ausgestattet sind. Sauber angeordnete Flaschen mit Sauerstoff, Tauchanzüge und alles, was für die Tauchgänge benötigt wird, befinden sich sorgfältig an Deck. Es ist eine Insel für Taucher, ähnlich wie Ustica, auf der anderen Seite Siziliens, Richtung Sardinien.
Zwei Strandabschnitte kann man zu Fuß erreichen, jedoch ist Marettimo steiler, die Wege fangen nach 20 Min. Gehzeit an, alpin zu werden. Hier benötigt man auf jeden Fall gutes Schuhwerk, keine Sandalen oder Flip-Flops. Ausdauer ist erforderlich und viel Wasser sollte man dabei haben, denn es ist heiß. Die Sonne knallt und man bewegt sich überwiegend in praller Sonne.
Traumhafte Natur und perfekt zum Tauchen
Rechts vom Hafen geht man in Richtung Capo Troia und einsame Buchten. Würde ich eindeutig empfehlen, mit einer kleinen Bootstour zu machen. Schneller, bequemer und man kommt direkt an die schönen Orte.

Bei den ägadischen Inseln empfehle ich eine Tagestour, die ich aufteilen würde. Entweder ein Tag Favignana. Oder einen halben Tag Levanzo und einen halben Tag Marettimo. Wer will, kann sich auf Favignana seine Übernachtung organisieren und dann sehr bequem und schnell mit dem Aliscafo seine Tagestouren durchführen. Es geht aber auch von Marsala und Trapani, die Verbindungen sind mehrmals täglich.























































































