la casa del cannolo
Eine einfache Bar für Caffe und Cannolo, oder doch mehr?
La casa del Cannolo, Tempel für etwas Süßes und den Vino, den man nicht erwartet.
Oase für Dolce & Wein
Voller Vorfreude geht es in den auf ganz Sizilien bekannten Ort Piana degli Albanesi, der 30 km entfernt von Palermo im Hinterland liegt. Es ist eine Ebene zwischen dem Bosco Ficuzza und dem Valle dello Jato, mit großem See in der Mitte. Beliebtes, sommerliches Ausflugsziel für die Palermitaner und jeden, der, der großen Hitze entfliehen will.
Zwei Besonderheiten gibt es hier:
Albanesi, da im 15. Jahrhundert die Menschen aus Albanien vor der türkischen Invasion nach Sizilien flüchteten und dort Land erhielten und eine große albanische Enklave außerhalb Albaniens wurde. Übrigens nicht nur hier auf Sizilien, sondern auch in Basilikata und Reggio Calabria.

Türkische Invasion in Albanien
Das ist auch der Grund, weshalb auf den Ortsschildern zu Italienisch auch alles in albanischer Sprache geschrieben steht. Im Ort an vielen Stellen unverkennbar sichtbar: die Flagge Albaniens.
Die Identität wird nicht versteckt, im Gegenteil – mit vollem Bewusstsein das Besondere präsentiert. Im Ort wird noch die alte Sprache Arbereshe aus Albanien gesprochen. Der Sizilianer versteht hier keine einzige Silbe.
Zusätzlich zu diesem Umstand ist der Ort für einen kulinarischen Umstand bekannt.

Die Cannoli Siciliani. Es sind Dolce, Süßigkeiten, eher Verführungen. Eine Hülle aus Brandteig, extrem knusprig und fragrant, wird mit einer Creme aus frischem Ricotta gefüllt. Der Ricotta wird unwiderstehlich mit Zucker und Schokoladenstückchen verfeinert. An den beiden Enden verführt ein Stück kandierte Orange auf dem Ricotta. Auf ganz Sizilien werden die Cannoli angeboten, oft kopiert, jedoch in Piana degli Albanesi sind wir im Dessert Olymp, Champions-League und Weltmeister auf einem Podest.
Brandteig for ever
Ein Biss, die knusprige Brandteighülle bricht und wird im Mund eins mit dem süßen Ricotta. Im nächsten Moment verschmelzen die Schokostückchen mit dem Ricotta und Teig zu einem Finale, genau der richtige Zeitpunkt, wo man sich für einen Dessertwein opfern sollte.
Mit dem Caffe eine echte Verführung, aber Cannoli mit einem Dessertwein, einem Passito von Pantelleria oder Moscato di Noto, lassen jeden sofort in den Himmel zu den Engeln entschweben.
Wer jetzt darauf keine Lust bekommen hat, dem muss ich unterstellen, dass zu wenig kulinarische Gene vererbt wurden.
Diese Bar, la casa del Cannolo also. Man kommt rein und hat eine Zeitreise vollzogen. Eine lange Bar, dahinter alte Holzregale mit Glasböden, zwei Tische und ein Fernseher an der Wand. Gegenstände, Spiegel, Gläser und Flaschen der letzten 60 Jahre sind überall zu sehen. Das Licht durchbricht in nostalgischem Ton die Realität. Ein antiquarischer Geruch führt mich zur Theke, wo die dreigruppige, edelstahlgebürstete Espressomaschine steht. Eine Faema, eine Le Cimbali? Keine Ahnung, der Espresso ist jedoch outstanding!
Ich bestellte fünf Cannoli, diese werden à la minute gemacht. Die knusprigen Brandteigtaschen sind leer und werden befüllt, im Moment der Bestellung.

Grund dafür. Ganz einfach: dass diese knusprig bleiben und nicht vom Ricotta aufweichen. Das Problem des Aufweichens stellt sich bei uns zu Hause nicht. Mit drei Kindern, die schon mit den Füßen scharren, wenn sie wissen, ich komme von dort zurück.
Kurz vor 14.30 Uhr, ich war ganz allein im Caffe, der Inhaber macht mir die Cannoli und ich wähle noch hausgemachte Buccellati und anderes, mir zulachendes Gebäck. Man kann nie zu wenig mit nach Hause nehmen.
Weinauswahl besser als jedes Restaurant
Da meinte ich zum Inhaber: Kompliment für diese Weinauswahl. Wir sprechen über eine Bar, ein Caffe und kein Restaurant.
2 Tische für die vielen Rentner, die von 8 bis 13 Uhr jeden Tag dort ihren Small Talk halten, wenn draußen das Wetter schlecht ist. Und das ist es öfters, in dem Talkessel mit dem Lago vor der Nase.
In einer Ecke der Fernseher und daneben einige Utensilien von Inter Mailand angebracht. Hier ziehe ich es als echtem FC-Bayern-Fan vor, keine Diskussion zu beginnen. Nur zur Info: Bayern Fan bin ich, seit ich laufen kann, und war stolzer Besitzer eines original weißen Trikots mit der 8 Breitner und dem Magirus auf der Brust. Lange, sehr lange, bevor der ganze Merchandising-Wahn begann!
Die Regale hinter dem Tresen voll mit Weinen und darüber die Holzkisten, die mir zeigen. Hier hat man Spaß, hier wird konsumiert. Da würden sich einige Restaurants die Hände reiben, diese Weine nicht nur im Keller zu haben, sondern auch den Umschlag dieser Flaschen.
Toskana, Piemont und ganz Sizilien
Von der Toskana mit Chianti Classico, Brunello und Supertuscan, ins Piemont zu Barolo und Barbaresco, Schaumweine aus Frankreich und dem Trento mit Ferrari. Komplettiert mit einer riesigen Auswahl, alle Flaschen sichtbar mit Preisetikett in den Regalen von sicher über 10 Meter Länge, rund hinter der Theke verlaufend.
Sizilien ist präsent, vom Westen Marsalas bis an die nördlichen Hänge des Ätna, mit einem Zwischenstopp in der tiefen Ebene von Ispica und Pachino. Hier trinkt man keine Quantität, hier gibt es flüssige Kultur zum Vertiefen schwieriger Standpunkte und langsames, Schluck für Schluck, Annähern an einen gemeinsamen Konsens.
Ach, lieber Bacchus, du würdest hier dein Zeltlager aufschlagen, zumindestens einmal die Woche reinschauen, ob die Regale gut gefüllt sind.
Ich möchte keine Preise mitteilen, denn es wäre kompromittierend für viele Gasthausbesitzer und Weinverkäufer.

Auf jeden Fall ist es ein MUSS, bei einem Besuch in Piana degli Albanesi in dieser Bar vorbeizuschauen. Lasst euch ein Cannolo machen und genießt dazu, im optimalen Fall vor der Tür auf der Terrasse, mit einem Passito di Pantelleria das echte Leben.
Neue Story und Locations
Bis bald mit einer neuen Story und einer neuen Location 😉
Saluti von Sicilia
Peter



