Barone di Villagrande in Milo
Wer von Catania aus die Ostflanke des aktiven Vulkans Ätna hinauffährt, spürt jede Veränderung. Ich bevorzuge genau diese Route an der Ostseite durch die vielen Dörfer wie Viagrande, Trecastagni, Santa Venerina, und Zafferana Etneo, bis man dann endlich in Milo ankommt.

Die Fahrt kurz vor dem Weingut geht durch ein Stückchen Wald, ein ganz besonderes Stück. Hier muss ich sagen, wird man in eine Fabelwelt katapultiert. Unheimlich dicht, üppig und kühl, selbst bei 35 Grad im Hochsommer. Nach der Kurve sieht man dann Villagrande rechts am Hang, davor die großen Terrassen mit Reben.
Inzwischen ist das Weingut bei 27 Hektar angekommen. Es wurden neue kleine Parzellen dazugekauft, die sogar bis an die Südflanke beim Monte Ilice reichen.
Traditionsweingut
Es ist auf Sizilien eines der traditionsreichsten Weingüter – Barone di Villagrande.
Milo ist kein Dorf wie andere am Ätna – es ist das historische Herz des Etna Bianco Superiore. Die Lage an den Osthängen ist perfekt, um die ersten Sonnenstrahlen des Morgens einzufangen. Sie paaren sich tagsüber und vor allem nachts mit den Fallwinden des Vulkans, dem Mongibello.
Ein Garant für optimale Trauben, Reifegrad und Mineralität. Hier bekommt die Rebsorte Carricante eine extreme Eleganz, und das seit dem Jahr 1727. Nächstes Jahr wird im Weingut ein großes Jubiläum gefeiert: 300 Jahre Barone di Villagrande. Das ist für Sizilien etwas sehr Besonderes, denn die meisten Weingüter kommen nicht einmal auf 50 Jahre.
Übrigens, war es der Urgroßvater von Marco, der als erstes Weingut auf Sizilien die getrennte Vinifikation einführte. Ein absolutes Novum in dieser Zeit, bedenkt man, dass immer Bianco und Rosso zusammen vinifiziert wurden.
Für damalige Zeiten ganz normal, bedenkt man, dass die Rebflächen fast immer im gemischten Satz angelegt wurden.
Eine Pionierfamilie seit 1727
Wenn ich an meine ersten Besuche vor zwanzig Jahren zurückdenke, war der Ätna-Weinbau in den internationalen Feinschmecker-Magazinen und Weinführern noch ein Schattendasein. Keine großen Artikel und keine Verkostungen, hauptsächlich von den renommierten Weinfibeln eher gemieden.
Lange bevor der große Boom einsetzte, durfte ich die Magie von Villagrande bereits hautnah erleben. Wie Sie auf den Fotos sehen können, da war noch nichts restauriert, sondern ich fand das Weingut so vor, wie es sich viele Jahrzehnte präsentierte.


Unvergessen bleibt ein Nachmittag im Jahr 2008: Gemeinsam mit guten Bekannten saß ich im kühlen Nebengebäude des Guts bei einer ausgiebigen Verkostung. Marco präsentierte mit Stolz die tollen Gewächse und die Besucher waren damals sehr begeistert. Noch immer, wenn wir uns treffen, kommen diese Verkostung und der Nachmittag zu Gespräch.
Schon damals wurde mir klar, welch gewaltiges Reifepotenzial und welche Präzision in diesen Weinen stecken. Einer meiner absoluten Favoriten war der Fiore Bianco und der Sciara, die beiden Selektionsweine. Wie immer zählt: Qualität und Genuss kommen zuerst.
Getrennte Vinifikation Bianco und Rosso
Die Familie Nicolosi Asmundo bewirtschaftet diese steil abfallenden Lavaterrassen bereits in der zehnten Generation. Schon 1727 verlieh der Fürst von Jaci der Familie das Recht, die Ländereien von Villagrande zu kultivieren. Als Ende der 1960er-Jahre die DOC Etna ins Leben gerufen wurde, war es Carmelo Nicolosi Asmundo, der die Statuten entscheidend mitgestaltete und Milo den Sonderstatus der exklusiven Zone Superiore sicherte.
Wer das Gut heute betritt, spürt sofort diese tief verwurzelte Souveränität und Tradition. Hier gibt es keinen inszenierten Luxus, sondern ehrliche, sizilianische Gastfreundschaft.
Heute führt Marco Nicolosi das Erbe mit feinem Gespür für ökologischen Anbau und modernem Qualitätsanspruch weiter. Kurze Anekdote: Bei Contucci in Montepulciano war ich zu Gast und in der Enoteca hat ein neuer Mitarbeiter angefangen. Wir kommen aufs Gespräch, Sizilien, Etna. Und er meint: Ich habe mit Marco zusammen Weinbau studiert. Wir kommen in eine sogenannte Dialogspirale auf der Piazza del Teatro bis nachts um 2 Uhr. Die Welt ist so klein, genial.
Flüssiger Vulkan im Glas
Das Herzstück des Hauses ist und bleibt der Etna Bianco Superiore, der zu mindestens 90 Prozent aus Carricante besteht. Im Glas präsentiert er sich in einem kühlen Hellgelb mit grünlichen Reflexen. In der Nase verbinden sich zarte Aromen von weißen Blüten, grünem Apfel und Zitrusfrüchten mit einer fast rauchigen Feuerstein-Note. Am Gaumen zeigt er sich extrem straff, mit einer lebendigen Säurestruktur und einem salzigen Finale. Man schmeckt die meeresnahe Brise förmlich mit jedem Schluck.
Doch auch die Rotweine aus Nerello Mascalese sowie der fruchtbetonte Rosato spiegeln die Höhe und das Terroir von Milo eindrucksvoll wider.
Mein Geheimtipp für Genießer
Ein Besuch bei Barone di Villagrande ist längst mehr als eine klassische Weinprobe – es ist ein Eintauchen in den Pulsschlag des Vulkans.
Mein persönlicher Tipp: Bucht eine Verkostung zur späten Nachmittagszeit auf der Panoramaterrasse. Mit Blick über die terrassierten Weinberge bis hinunter zum tiefblauen Meer, begleitet von regionalen Spezialitäten und einem gut gekühlten Glas Etna Bianco, versteht man sofort, warum dieser Ort seit 20 Jahren mein ganz persönlicher Herzensort am Ätna ist.
Führungen können immer gebucht werden und die Kosten betragen x pro Person. Inzwischen wurde das Weingut mit 4 wunderschönen, großen Zimmern veredelt. Hier besteht die Möglichkeit, das Weingut komplett zu entdecken. Der große Infinitypool mit Blick über die Rebterrassen in Richtung Catania schafft eine besondere Atmosphäre, ganz besonders in den späten Nachmittagstunden.
Das hauseigene Restaurant ist für die Gäste mittags und abends verfügbar, auch à la carte kann bestellt werden. Hingegen wird für die Verkostungen ein 5-Gänge-Menü mit 5 begleitenden Weinen angeboten. Die Kosten belaufen sich auf 75 Euro pro Person, was für dieses Ambiente und die hochwertige regionale Küche ein echtes Angebot ist. Je nach Wetter wahlweise auf der Terrasse im Außenbereich oder im stilsicheren Ambiente vergangener Zeiten innen.

Das Weingut hat auch eine Dependance auf Salina und produziert dort den Salina Bianco und einen absoluten Geheimtipp, den Passito di Malvasia.































