Aaron Montis, wo der Ätna Frankreich grüsst
Aaron Montis Solicchiata
Hier an den nördlichen Hängen ist die schwarze Lavaerde unter den Schuhen überall präsent. Sei es im Weinberg, den Olivenhainen und auch den Straßen der Dörfer, die mit dieser kantigen, harten Lava erbaut sind. Nimmt man sich die Zeit und steigt mal aus dem Auto, lässt seinen Blick schweifen, wird den Geruch von wildem Thymian oder Rosmarin entdecken.

Stolz in seinem Weinberg, gekauft für Veronica. Gesunde Trauben in der Alberello Erziehungsform
Wir befinden uns in Solicchiata, dem unbestrittenen Herzen des Ätna-Weinbaus. Kommt man von Linguaglossa empfehle ich erst einmal, nach der ersten Kurve in der Bar links einen starken, kurzen Espresso zu genießen, vielleicht noch im Hochsommer eine Granita vor der Tür.

Salvatore in seinem ersten Weinberg, gekauft für seine Frau.
Solicchiata, im Herzen des Weinbaus
Genau hier lernte ich im Schatten des mächtigsten aktiven Vulkans Europas, Salvatore Giuffrida, der gebürtig aus Palermo kommt, kennen. Damals trafen wir uns dort, um mit einer Gruppe die von der Aida kam, eine Verkostung in einem renommierten Weingut zu machen. Das war der Beginn einer langen Freundschaft und auch aus der Ferne mein Interesse, was er so macht, der Salvo.
In der Zwischenzeit trafen wir uns regelmäßig, da er bei vielen Weingütern als Agronom angestellt wurde oder war. Aktuell noch immer bei Donnafugata, und der Cantine neben dem Parco Statella.
Salvo kaufte schon Anfang der 2000er Jahre die ersten Rebflächen, er hatte eine gute Nase.
20 Jahre, lange Zeit
Ein Wiedersehen unter dem Vulkan: 20 Jahre Freundschaft
Knapp zwei Jahrzehnte sind vergangen und vor Kurzem hat er sein erstes eigenes Weingut bezogen. Es liegt an der Straße von Solicchiata auf der rechten Seite und wird, da bin ich mir ganz sicher, von sich reden machen. Warum? Weil Salvatore einen ganz anderen Weg geht. Er ist maximal frankophil eingestellt.
Er liebt Champagner, Chablis und knackige Roséweine. Das ist der Grund, weshalb er trotz Nerello Mascalese keinen Rotwein vinifiziert.
Schaut man sich die Etiketten an, würde man sagen: Benvenuti in France.
Seine aktuelle Jahresproduktion ist überschaubar, knapp 10 000–12 000 Flaschen. 2 Weißweine, ein Rosé und ein Metodo Classico mit 50 Monaten Hefelager aus den Reben Nerello Mascalese und ein Hauch Pinot Nero als Blanc de Noir.
Kann Champagner besser sein?
Schaut man sich das Etikett an, ist die Handschrift klar. Auch seine Frau ist inzwischen beratungstechnisch stark im Weingut involviert. Hier stehen bereits die ersten Möbel im Weingut. Da bin ich mir ganz sicher, das wird ein perfektes Ambiente zwischen modernem Weingut und alter franzözischer bell Epoque.

Salvatore Giuffrida interessieren keine Strömungen oder Mode im Weinbau, er geht seinen Weg wie die damaligen Garagenwinzer im Burgund oder Bordeaux. Klein und fein, besonders im Glas, authentisch und ganz anders.
Seine Reben sind in der Alberello Rebform erzogen, und angebaut, und das bedeutet wesentlich mehr Arbeit als beim Guyot oder der Spalliererziehung.
Er ist ein absoluter Fan von Magnum und Doppelmagnum, denn es ist nun mal so, dass aus einer 1,5 oder 3 Liter Flasche der Wein einfach mit einer besseren Qualität ins Glas kommt.
Qualität und ohne Kompromisse
Sein Projekt Aaron Martins ist bewusst in einer Mikroform gehalten – ein, ohne Spektakel, dafür aber mit kompromissloser Qualität und Authentizität überzeugt.
Terroir in Reinform: Die Magie von Solicchiata
Die Weinberge von Solicchiata liegen auf idealer Höhe. Die extremen Temperaturschwankungen zwischen heißen Sommertagen und kühlen Vulkannächten sowie die mineralstoffreichen Lava- und Aschenböden schenken den Trauben eine Frische, die man in Süditalien kaum vermuten würde. Salvatore setzt konsequent auf die autochthonen Rebsorten der Region:

Carricante: Die weiße Leitrebsorte des Ätna, die auf Vulkangestein zu atemberaubender Hochform aufläuft.
Nerello Mascalese: Der rote König des Vulkans, der für seine feingliedrige Struktur, Eleganz und rauchige Mineralität geschätzt wird.
Die Verkostung: Wenn der Wein vom Ätna erzählt
Es gibt viele Orte, an denen man Wein verkosten kann – aber wenige, die so tief berühren wie der Rand von Salvatores Reben in Solicchiata. Ein Weinberg, Parzelle von circa 1,2 Hektar liegt direkt an der Strecke der Ferrovia Circunanium. Der Bahnübergang ist praktisch der Zugang zum Weingut. ein Kleinod mit einem Hauch Geschichte und Demut, wenn man durch die Reben schweift und sich den minimalen Traubenertrag an den Stöcken anschaut.
Im Glas funkelt der Carricante: glasklar, mit Nuancen von Zitrusblüten, grünem Apfel und einer präsenten salzigen Mineralität, die wie ein kühler Windstoß wirkt.
Gleich darauf der Jeremiah Nerello Mascalese als Rosé vinifiziert: 36 Monate Ausbau im großen Tonneau und Barrique sind ein Garant für einen ganz besonderen Wein. (Ausschließlich im Format Magnum)
Er liebt Magnums
Im ersten Moment leise, offenbart er Schluck für Schluck komplexe Noten von reifen Wilderdbeeren, getrockneten Kräutern, einem Hauch von Grafit und feinstem Tannin. Es sind Weine, die keine breite Brust zeigen, sondern durch Eleganz, Spannung und Persistenz überzeugen. Während der Blick über die historischen Trockensteinmauern zum rauchenden Gipfel wandert, versteht man plötzlich ganz ohne Worte, warum diese Weine so ganz anders sind als der Rest Siziliens.
Der Zacharia ist ein Catarratto aus dem Bergen, hier die Version Lucido, angebaut auf 700 Meter über dem Meerespiegel im Hinterland von Palermo. Auf den Feinhefen (Sur Lies) verbleibt der Most im Holz für 12 Monate, gefolgt von 24 Monaten Flaschenlagerung bevor man diesen besonderen Bianco genießen darf. Und er hat es mehr als in sich: Komplex, lange am Gaumen, intensive Aromen und ein wenig Terziärnoten vom Riesling.

Sant Esther, ein Etna Bianco Doc aus den Weingärten von Sant’Alfio, der Ostseite des Vulkans. Hier wird die sanfte Erstpressung der Trauben (Fiore) auf der Feinhefe (Sur Lies) in französischen Barriques für 20 Monate verfeinert. Danach nochmals für 24 Monate auf der Flasche, dann kommt der Moment der Verkostung. Die Mineralität, Komplexität und vor allem die maximale Persistenz am Gaumen ist ein Höhepunkt in der Weinverkostung. Hier empfehlen wir von Siziliengeheimtipp unbedingt zu kombinieren mit einem guten Essen, tollen Vorspeisen, für den perfekten Genuss.
Mein Fazit für Siziliengeheimtipp
Aaron Martins ist keine Adresse für Punktejäger oder Weinfibelfetischisten.
Es ist ein Refugium für Weinliebhaber, die das Echte suchen, keine Etiketten der Marketingschmiede.
Salvatore Giuffrida schafft es Jahr für Jahr, den Charakter des Vulkans ungeschminkt und voller Poesie in die Flasche zu bringen. Für mich zählt Aaron Martins in 2026 zu den reinsten und ehrlichsten Entdeckungen am Ätna – ein wahrer Siziliengeheimtipp, der die Zeit für einen Moment stillstehen lässt.

Dann werdet ihr so empfangen 😉
Verkostungen im engsten Kreis nur nach Reservierung – light lunch oder Antipasti nach Absprache. Vertikalverkostungen und Magnumverkostungen möglich.
Natürlich wird der Artikel regelmäßig ergänzt, mit neuen Fotos, Texten und Erlebtem bei Salvatore im Weingut.
Via Nazionale 168
Solicchiata – Castiglione di Sicilia
Cell: + 39 330 6777 20
Cell: + 39 330 6777 20
Aaron Montis
Via Nazionale 168
Solicchiata – Castiglione di Sicilia















