Vivera
Es war bei einem Kurztrip an die Südküste, Pozzallo. Wir sitzen im Fischrestaurant und ich bestelle einen Wein. Die Entscheidung ist gefallen und an den Tisch kommt der Vivera Salisire, Etna Bianco. Das war der Beginn einer langen Freundschaft.
Eine Woche später bin ich ins Weingut am Ätna und wir waren der erste Importeur in Deutschland.

Reben von Vivera in der Baumerziehung Alberello
Etna Bianco Salisire
Lange bevor die Weine am Ätna heute weltweit gesucht waren, durfte ich sie in Deutschland vorstellen. Loredana Vivera ist das Herz des Weinguts.
Aus einer geschäftlichen Beziehung wurde über die Jahre eine enge Freundschaft, und jedes Mal, wenn ich nach Linguaglossa zurückkehre, fühlt es sich wie ein Wiedersehen an. Wir besprechen die aktuelle Weinszene, die Märkte und Messen, aber sehr viel Privates.
Der Nordhang des Ätna besitzt eine ganz eigene Persönlichkeit und die Contrade Martinella bringt einen Etna Rosso DOC hervor, der auf internationalem Parkett mit sehr hohen Punktzahlen bewertet wird.

Contrade damals bei Franchetti im Weingut Passopisciaro
Contrade nördlicher Ätna
Alte Trockensteinmauern ziehen sich durch Kastanienwälder, überall erhascht man einen Blick auf die angelegten Terrassen. Der nördliche Ätna ist ähnlich des Barolo-Gebiets mit Contrade durchzogen. Alle könnten nicht unterschiedlicher sein. Genau hier, in diesem exzellenten Habitat, entstehen die Ätna-Weine von Vivera.
Vivera scheint auf den ersten Eindruck unkompliziert, schaut man sich aber die komplette Struktur an, erkennt man, wie vielschichtig es ist. Die Eltern kommen aus unterschiedlichen Gegenden Siziliens, der Vater aus der Gegend um Chiaramonte Gulfi. Dort stehen einige große Olivenhaine, die bewirtschaftet werden müssen, für das grüne Gold Tonda Iblea.
Die Mutter gebürtig aus der Gegend um Corleone, also im absoluten Inselinnern und Hinterland der Provinz Palermos. Dort stehen viele authochtone und internationale Rebsorten , primär die Sorten Catarratto, Chardonnay, Syrah, Cabernet Sauvignon und Merlot.
Linguaglossa – Corleone und Chiaramonte Gulfi
Diese Anbauzonen, sie könnten nicht unterschiedlicher sein, wurden dann zusammengezogen an einem neuen Ort, dem Weingut am Ätna.
Loredana ist für Marketing und die Produktion im Keller verantwortlich. Sie nimmt filigranste Nuancen wahr und die Weine sind von einer extremen Feinheit und Komplexität.
Vivera gehört zu den Pionieren des biologischen Weinbaus am Ätna. Lange bevor Nachhaltigkeit zum abgedroschenen Marketingbegriff wurde.
Echtes Terroir auf Sizilien
Heute wachsen zwischen den Reben Wildkräuter, Gräser und Blumen, Insekten und Bienen finden Lebensräume, und die vulkanischen Böden bleiben lebendig. Ein kurzer Weg durch die Weinberge zeigt: Hier wird mit der Natur im Einklang gearbeitet.

Weinernte Lese bei Vivera vor der Haustüre
Die Weinberge am nördlichen Ätna liegen auf rund 600 bis 800 Metern Höhe. Schwarze Vulkanasche, Basalt und verwitterte Lava bilden einen Boden, der Wasser hervorragend speichert und den Reben gleichzeitig enorme Mineralität verleiht. Der große Vorteil: Jeder Ausbruch erneuert den Boden immens.
Mineralität vom Lavaboden
Hinzu kommen die kühlen Nächte, die den Trauben ihre Frische erhalten. Gerade diese Kombination aus mediterraner Sonne und alpinem Klima macht den Nordhang für mich zu einem der spannendsten Weinbaugebiete Europas. Der Ätna ist die höchste Anbauzone Europas, höher als in Südtirol.
Bei meinen Touren stehe ich immer wieder zwischen den alten Alberello-Reben und erkenne, wie zeitlos dieser Ort ist.

Lavaböden, hier sollen Reben wachsen?
Manche Rebstöcke scheinen den Vulkan schon seit Generationen zu beobachten. Die traditionellen Trockensteinmauern erzählen Geschichten von harter Handarbeit, und zum großen Glück gab es einige Winzer, die diese Tradition vor dem Aussterben gerettet haben.
Alberello Baumerziehung
Besonders faszinieren mich die Weine aus Carricante, mein Protagonist der Salisire. Der Etna Bianco besitzt eine Klarheit und Salzigkeit, wie ich sie nur selten finde. Er riecht nach Zitrusfrüchten, weißen Blüten und mediterranen Kräutern, wirkt am Gaumen fast kühl und endet mit einer feinen vulkanischen Mineralität, manchmal auch mit einer rauchigen Note. Feuerstein! Für mich gehört er seit Jahren zu den elegantesten Weißweinen Siziliens. Und die Besonderheit: Loredana hält diesen oft 4–5 Jahre im Weingut im Keller zurück. Ihrer Einstellung nach kommen die komplexen Noten erst nach einer langen Flaschenlagerzeit hervor.
Der Etna Rosso zeigt dagegen genau jene Feinheit, die viele beim ersten Schluck überrascht. Nerello Mascalese braucht keine Kraft, um Eindruck zu hinterlassen. Hier sind wir eher beim feinen Pinot Noir oder Nebbiolo.
Er lebt von seiner Transparenz, seiner frischen Säure und einer Aromatik aus roten Kirschen, Granatapfel, Kräutern, etwas Rauch und feinem Grafit. Mit etwas Reife entwickelt er jene Tiefe, die den Ätna heute in einem Atemzug mit den großen europäischen Terroirs nennen lässt.
Komplexes Unternehmen
Obwohl die Familie heute rund 50 Hektar Rebfläche auf Sizilien bewirtschaftet, konnte die Qualität stetig verbessert werden. Aber es ist eine große Herausforderung, drei diverse Produktionsstätten auf Sizilien.
Für mich ist Vivera weit mehr als nur ein Weingut am Ätna. Zum großen Glück durfte ich die Menschen hinter den Etiketten lange Jahre begleiten und viele diverse Jahrgänge verkosten.
Das Weingut Vivera und diese familiäre Art von Loredana zeigen mir immer wieder, dass die kleinen Winzer gegenüber den großen Playern einen riesigen Vorteil haben. Hier ist man nicht nur ein Unternehmer, hier ist man Winzer.
T: +39 345 221 6423
Contrada Martinella sn
95015 Linguaglossa CT














